ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Posts Tagged ‘Gilly Salmon

Der diesjährige E-Learning Tag wird heuer von zwei Einheiten der FH JOANNEUM organisiert, dem ZML-Innovative Lernszenarien und dem Studiengang Radiologietechnologie. Da die Vorarbeiten – Call for Papers, Einreichungen sichten, Programm erstellen, Artikel für den Tagungsband begutachten – bereits gut erledigt sind, haben mein Kollege Helmut Ritschl, Leiter des Studiengangs Radiologietechnologie und ich Zeit, um im Gras zu liegen, in den Himmel zu schauen und zu tratschen. Read the rest of this entry »

I strongly believe that we learn by doing something: discussing, drawing, scribbling, modeling, reflecting and writing it down (or recording it). Therefore in my (training) classes people have to do something all the time. That’s also the basis of the online cos teachers’ training I developed a month ago and which is running at the moment. Content Strategy (COS)  is a university program for students who work and study. A lot of the learning process is happening online and the teachers want to improve their asynchronous and synchronous teaching performance. Read the rest of this entry »

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Online-Lerngruppen. In Weiterbildungen und Lehrveranstaltungen betreue ich SchulungsteilnehmerInnen oder Studierende, die online miteinander lernen und sich entweder niemals, oder ca. monatlich oder auch recht kontinuierlich face-to-face treffen.

Modell von Gilly Salmon

Ich habe die Moderation von Online-Gruppen bei Gilly Salmon gelernt – online natürlich. Doch da gab es auch ihr Buch „E-tivities“, in dem sie Online-Moderationsprozesse so spannend beschreibt, dass ich mich eine halb Nacht lang nicht losreißen konnte.

Nach Gilly Salmon durchläuft eine Online-Gruppe die fünf Phasen „Zugang und Motivation“, „Online-Sozialisierung“, „Informationsaustausch“, „Wissenskonstruktion“ und „Selbstorganisation“. Diese Phasen begleitet die Moderatorin durch kleine Online-Aufgaben, sogenannte „E-tivities“, die das Ziel der Aufgabe, die Beschreibung der Aufgabe und eine Aufforderung zur Interaktion enthalten.

Roy Williams’ Empfehlungen für Online-Gruppen

Roy Williams postete vor kurzem auf Twitter, dass es für die erfolgreiche Etablierung einer Online-Gruppe “comfort, fun, trust, engagement” (@dustcube) braucht. In der Vorbereitung möchte ich eine Lernumgebung schaffen, die gemeinsame Lernprozesse unterstützt und auch etwas Komfort – Gemütlichkeit, Wohlbefinden – bietet. Diese Herausforderung kann nicht auf technischem Wege gelöst werden, glaube ich – da habe ich zu viele Projekte gesehen, die sich um die perfekte Lernumgebung bemüht haben und schon lange nicht mehr im Einsatz sind. Unter Komfort verstehe ich eine Kombination aus möglichst klaren Strukturen, persönlichen Elementen (etwa Bildern oder Videos) und die Bereitschaft diese Umgebung in kleinen Schritten gemeinsam mit den Lernenden weiterzuentwickeln (Co-Evolution).

Verführung der LernerInnen

Meine eher leichten, breiter gefassten Aufgabenstellungen zu Beginn sollen den Lernenden den Einstieg angenehm machen, sie motivieren „einfach loszuschreiben“, auch einmal etwas Persönliches von sich zu erzählen und sich kennenzulernen. Ich möchte die LernerInnen zum Online-Austausch „verführen“. Unterschiedliche Menschen tun sich unterschiedlich leicht, online zu schreiben. Wer zu hohe Qualitätsansprüche an eigene Statements hat, oder nicht daran gewöhnt ist online zu schreiben, plagt sich in dieser ersten Phase. Aufgabe der Moderatorin ist es dann, auch diese Lernenden ins Boot zu holen, sie zu motivieren.

Vertrauen

Spaß und Vertrauen sind gerade in den ersten beiden Phasen der Bildung einer Online-Gruppe wichtig. Auch in Etienne Wenger’s „Communities of pratice“ spielt das gegenseitige Vertrauen eine große Rolle. Gemeinsames Lernen ist dann möglich, wenn man sich aufeinander verlassen kann, „dumme“ Fragen stellen und Fehler machen darf, wenn man sich gegenseitig unterstützt. Für die Phase der Vertrauensbildung ist eine geschützte Online-Umgebung besser geeignet als ein offener Raum. Doch auch in offenen Lernumgebungen ist es für einige möglich miteinander vertraut zu werden, wie es uns einige LernerInnen des cope14-MOOC (massive open online course) in ihrer Reflexion berichteten.

Ausblick

Soweit meine Gedanken zum Beginn einer Online-Lerngemeinschaft. In den nächsten Wochen werde ich vier Gruppen dabei begleiten, sich online als Lerngruppe zu etablieren. Meine Reflexion über dieses Vorhaben mündete in diesem Text.

Ich plane zwei weitere Posts zu diesem Thema zu verfassen: einen zum Wachstum der Gruppe (Phase 3 und 4 nach Gilly Salmon) und einen zum Monitoring und Beurteilen von Gruppenprozessen, was wir Hochschullehrende ja auch tun müssen.

cc

Jetzt ist es vorbei – das offene Training im Web Literacy Lab.

Wir haben in unserem Konzept versucht Gilly Salmon mit George Siemens zu kombinieren – und das klappte … naja.

Wie auf der Trainingsseite des Web Literacy Lab genau dargestellt,  begannen wir mit einer geschlossenen, sogar geheimen Facebook-Gruppe, um dann ein offenes Online-Training anzuschließen.

Phase 1 – 10-tägige Phase der Online-Sozialisierung in Facebook

In der Facebook-Gruppe vernetzten sich 35 Personen sehr rasch und phasenweise recht intensiv. Da meine Kollegin Erika Pernold die eigentliche Moderatorin der Gruppe war, konnte ich frei als Co-Moderatorin “herum lesen”, Links verfolgen, die TeilnehmerInnen kennenlernen, die Kommunikation analysieren, Lernprozesse entdecken, und erfahren, dass Facebook eigentlich ein mächtiges Tool für Gruppenlernen ist – und auch um einiges ansprechender als so manche Lernplattform ….

Phase 2 – 3-wöchige Online-Phase rund um die Content Strategy

Das offene Training bot Content auf der Seite des Web Literacy Lab an (Links, das E-Book von Brigitte Alice Radl, Karin Raffer, Heinz Wittenbrink: Content Strategy–Texte zur Einführung, …) inklusive Aufgabenstellungen für die einzelnen Wochen. Fokussierungspunkte des Online-Trainings waren die fünf Hangouts on Air, die von den TeilnehmerInnen jedes Mal sehr geschätzt wurden.

D.h. Gilly Salmon kam zu Beginn zum Einsatz inklusive formulierter Online-Aufgaben (sogenannte E-tivities) für Woche 1, Woche 2 und Woche 3 des offenen Trainings. Die Startphase der Online-Sozialisierung in Facebook klappte super, es verstand rasch Vertrauen, und auch die weiteren Phasen nach Gilly Salmon – Informationsaustausch und Gemeinsame Wissensproduktion – waren für mich sichtbar.

Im offenen Teil gemäß George Siemens und Stephen Downes stand Google+ den TeilnehmerInnen zum Austausch zur Verfügung bzw. zum Verlinken der eigenen Aktivitäten woanders. Die Infozentrale war mein Google+ Account und ich versuchte auch, die TeilnehmerInnen in meinem Kreis zu sammeln. Richtig sichtbar wurde die Auseinandersetzung der TeilnehmerInnen mit dem Thema allerdings nicht. Aus Feedback-Meldungen der TeilnehmerInnen (auch in der offenen Trainingsphase meist in Facebook) weiß ich, dass die Videos gerne gesehen wurden (entweder live oder danach als Konserve), dass einige den Vorsatz hatten, bei einem Hangout dabei zu sein und dass jedes Mal mehr Personen am Hangout teilnahmen. Doch die spannenden Lernprozesse in Bezug auf die eigenen Fragestellungen, der Transfer in die Praxis der Teilnehmenden war auf Google+ eindeutig nicht sichtbar.

D.h. eindeutig 1:0 für Gilly Salmon – wenn ich von sichtbaren Ergebnissen ausgehe. Inwieweit das Format des offenen Trainings die Lernenden auch in der offenen Phase zur Umsetzung von Neuem anregte, kann ich nicht sagen. Ein bisschen warte ich auch noch auf die Ergebnisse unserer Umfrage. Und vermutlich bin ich eine bessere Trainerin nach Gilly Salmon als nach George Siemens ???

Seit dem Start des Change MOOC im September 2011 setze ich mich vertiefter mit der Theorie des Konnektivismus auseinander. Auf meinem Diigo Account habe ich einige Ressourcen zu diesem Thema gesammelt und bei aktuellen Artikeln bildete der Konnektivismus ein Unterkapitel. Trotzdem bleiben Fragen offen und aus diesem Grund wählten wir den ursprünglich von Georg Siemens vorgeschlagenen Begriff Konnektivismus als Thema unseres Leseclubs.

Konnektivismus und Hirnfoschung

Erika begeistert die Beziehung zwischen Konnektivismus und der Vernetzung neuronaler Strukturen im Gehirn beim Lernen. Natasa und mir ist der Bezug einer “Lerntheorie” (Siemens sieht den Konnektivismus als neue Lerntheorie, offiziell anerkannt ist diese Meinung noch nicht) zur Hirnforschung etwas unheimlich. Allerdings meint Natasa, dass sie das Bild der Vernetzung im Hirn und der Vernetzung im Web anspricht.

Netzwerke von Ressourcen

Natasa nimmt seit der Auseinandersetzung mit dem Konnektivismus zwei Arten von Netzwerken wahr: nämlich Netzwerke von Personen und Netzwerke von Objekten / Ressourcen. Insbesondere im WLL+ Netzwerk (in Google+, Projekt Web Literacy Lab) sprechen sie die Fotos an, die zu den Statements hinzugefügt werden. Unsere Diskussion führt uns dann zu Ellen Langers Ansatz des Mindful Learning. Langer meint, dass gerade Ablenkungen für das Lernen gut sind. Bilder, die in gar keiner Beziehung zum Lernstoff stehen, ermöglichen den Lernenden “von einer anderen Seite aus” zum Thema zurückzukommen und Neues zu entdecken. Auch das Prinzip von “Serendipity” passt dazu: wenn ich durch das Web streife und mich von einer Quelle zur nächsten treiben lassen, kann ich Unerwartetes entdecken.

Abschied von der E-Moderation?

Der letzte Diskussionspunkt bringt uns zu den Erfahrungen unserer beiden Trainingskurse, die auf Facebook und Google+ basierten. Bisher haben wir als E-Moderatorinnen nach Gilly Salmon die Lernprozesse unserer TeilnehmerInnen (max. 15) in einem geschlossenen virtuellen Raum (Lernplattform) anhand der 5 Stufen: Ankommen, Online Sozialisierung, Wissensaustausch, Gemeinsame Wissensgenerierung und Weiterentwicklung moderiert. Nützen wir als Basis für das Training anstelle der Lernplattform ein soziales Netzwerk, ist uns die gewohnte Art der E-Moderation nicht mehr möglich.

Natasa legte in ihrem Training in Facebook eine Gruppe an, und konnte so die Anzahl der Teilnehmenden kontrollieren. Trotzdem überforderte der “Stream” in seinem kontinuierlichen unstrukturierten Fluss die TeilnehmerInnen. In meinem Google+ Training musste ich mich auch von dem Paradigma einer fixen TeilnehmerInnenzahl verabschieden. Um die 60 TeilnehmerInnen identifizierte ich und nahm sie in meinen Google+ Kreis auf, doch manche verschwanden dann wieder andere kamen dazu. 40 meldeten sich “offiziell” für das Training an, 15 nahm ich in eine Kerngruppe auf, deren Aktivitäten ich näher im Auge behielt. Wer aktiv war, fiel mir auf (das waren vor allem Personen, die schon geübt im Umgang mit Google+ waren). Es war schwer wahrzunehmen, wie es den “Neulingen” ging, die wenig bis (fast) gar keine Posts schrieben und nur relativ zögerlich Kommentare.

D.h. die E-Moderatorin moderiert nicht mehr, sondern stellt Ressourcen und Struktur (auf dem WLL Blog) zur Verfügung (ohne überprüfen zu können, wie diese wahrgenommen werden, abgesehen von “likes” oder Kommentaren) und geht mit den aktiveren Lernenden in Kontakt (wieder “likes” und Kommentaren).Doch ein Gefühl für die Gruppe und ihre Phase nach Gilly Salmon habe ich gar nicht mehr.  – Ob es Stephen Downes mit den MOOC-TeilnehmerInnen auch so ergeht? – Informelle Rückmeldungen meinen, dass die TeilnehmerInnen trotzdem einen Lernprozess durchlaufen haben und zufrieden mit ihrem Lernerfolg sind. 17 Personen haben das Training evaluiert, und ich bin schon neugierig auf die Evaluierungsergebnisse.

Da das diesmalige Thema unseres Leseclubs so ergiebig ist, werden wir in einem Monat den Konnektivismus vertiefen.