ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

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Eine „unserer“ Journalismus und PR-Studentinnen – Kathrin Rathmayer – verfasste 2014 eine interessant genderlect-Rathmayr-2014 (in Englisch) mit dem Titel „Genderlect – The verbal battle for female intimacy and male independence“. Schon länger wollten wir diese Arbeit im ZML-Leseclub diskutieren, gestern gelang es uns endlich.

In ihrer Arbeit leitet Rathmayer im ersten Kapitel zum Thema Language and Gender ein, wobei ich den Ausdruck Genderlect, geprägt von Deborah Tannen vorher gar nicht kannte. Tannen betrachtet den Unterschied in der Kommunikation von Frauen und Männern aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive. Im zweiten Kapitel beschäftigt sich Rathmayer mit Gender im elektronischen Diskurs und im dritten Kapitel analysiert sie Unterschiede in Weblogs von Autorinnen und Autoren.

Da der ZML-Leseclub rein weiblich besetzt ist, war unsere Diskussion auch von unseren Emotionen geprägt. Aus eigenen Beispielen konnten wir bestätigen, dass Frauen in der Kommunikation Beziehung und Beteiligung (involvement) ausdrücken während Männer nach Unabhängigkeit streben. In ihrer Sprache stellen Frauen Beziehung her, in dem sie unterstützen, nachfragen, einen Kontext herstellen, Emotionen sichtbar machen, ihre Aussagen relativieren (es könnte auch anders sein, gleichberechtigte/ symmetrische Sicht), während Männer sich eher auf den Inhalt konzentrieren, rasch zum Punkt kommen und ihren Status festlegen/verteidigen (hierarchische/ asymmetrische Sicht).

In der Computer-Mediated Communication bestand in den späten 80-er Jahren die Hoffnung, dass das Internet diese Unterscheide auflösen würde, und anfangs war durch die Möglichkeit anonymer Aktivitäten die Kategorie Gender kein großes Thema. Dies erweis sich allerdings genauso bald als unrealistisch wie die Erwartung, dass das Internet vor allem demokratische Prozesse stärken würde. 2007 hält Susan Herring fest, dass die Genderlect Theorie zu face-to-face Interaktionen auch für Online-Diskussionen gültig ist.

Struktur und Inhalte von Online-Postings unterscheiden sich je nach Geschlecht der AutorInnen (Rathmayr, S30). Frauen beginnen meist mit einer Einführung, die zu etwas anderem verlinkt (Beziehung herstellen – trifft z.B. für diesen Post zu, ohne dass das meine Absicht war!). Dann folgen Informationen gespickt mit Phrasen, die Höflichkeit, Emotion, Relativierung enthalten (ist in diesem Post auch sichtbar, siehe etwa Anfang des 3. Absatzes). Viele Frauen verfolgen einen harmonischen, beziehungsstiftenden Stil. Männer hingegen posten häufig mit dem Ziel ihren sozialen Status sichtbar zu machen, d.h. sie suchen nicht nach Harmonie sondern fordern andere heraus, kritisieren und verwenden einen konkurrenzbetonten Stil.

Nach Auseinandersetzung mit den Inhalten der Bachelorarbeit tauchten in unsrer Diskussion im ZML-Leseclub ganz unterschiedliche Aspekte auf. Uns gefiel Tannens Ausdruck „cross cultural communication“ für Genderlect, also der Ansatz die Kommunikation über Geschlechter hinweg mit der Kommunikation über Kulturen hinweg zu vergleichen. Wir sprachen über unsere Kinder und wie sie dem Thema Sex online ausgesetzt sind, Natasa erzählte von dem Buch So Sexy So Soon, das sie sosehr berühtre, dass sie es nicht fertig lesen wollte. Wir rätselten, warum junge Männer sich in ihrer Ausbildung für Film entscheiden und junge Frauen für Fotografie (Klassenbelegung in der Grazer Ortwein-Schule). Und wir hatten viele Ideen, wo wir in unseren Online-Lernszenarien nach Gender-Differenzen Ausschau halten könnten.

Facial-gender-by-PLoS-One-Creative-CommonsPhoto credit: Syed Zulqarnain Gilani, et al. (Creative Commons), PsyPost
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2014 gab es das cope14-MOOC, also „unser“ MOOC, das wir initiierten und mit einem Team aus Kolleginnen und Kollegen gemeinsam anboten – beim Rückblick auf meine Posts des ZML-Leseclubs im Jahr 2014 kann man die Auswirkungen von cope14 auf uns gut ablesen, von Februar bis Juni schafften wir es gar nicht, uns dem Tagesgeschäft zu entziehen und ein bisschen über E-Didaktik zu lesen und zu diskutieren.

Wenn ich meine erstellten 5 Postings Revue passieren lasse, merke ich, dass wir auch in diesem Jahr immer noch von den Theorien hinter den Footprints of Emergence beeinflusst waren.

Hier zur Erinnerung ein Mindmap rund um die Theorien hinter den Footprints:

 

mindmap-background-footprint-factors

Zum Thema threshold learning kamen wir über den Faktor liminal space, Chaos- und Complexity Theories beschäftigten uns sogar dreimal, wobei unser Blick bei Aspekten der Chaos Theory startete, bei der Komplexitätstheorie verweilte und schließlich bei Organisationen landete. Zum Ausklang beschäftigten uns dann die kleinen Däumlinge, ein Thema ganz unabhängig von den Footprints.

So wie in diesem Jahr haben wir noch nie um die Termine des ZML-Leseclubs gekämpft und uns sehr abgemüht, zumindest ein paar Seiten der Literatur zu lesen bzw. einen Blogpost zu schreiben. Das finde ich schade und bedenklich, weiß jedoch auch als selbst Betroffene nicht, wie ich mir besser mehr Freiräume schaffen könnte. Also werde ich und werden wir, hoffe ich, 2015 einfach weiter kämpfen 🙂

Im ZML-Leseclub vom Oktober diskutierten wir den Essay des französischen Philosophen und Wissenschaftstheorethikers Michel Serres: Erfindet euch neu! über die „Däumlinge des Internets“ und die digitale Gesellschaft.

Wir fokussierten auf das erste Kapitel „Die Kleinen Däumlinge“, in denen Serres die Unterschiede zwischen heutigen jungen Menschen und den jungen Menschen vor 50 Jahren darstellt.

Die kleinen Däumlinge

Serres sieht heutige Jugendliche als kleine Däumlinge, die gleichzeitig eine SMS tippen, auf Facebook chatten und Wikipedia konsultieren. Sie sind großteils StadtbewohnerInnen, leben in einer Welt voller Menschen, sind medizinisch gut betreut und haben ein langes Leben vor sich, das sie voraussichtlich mit mehreren PartnerInnen teilen werden.

So viel zum Körper. Wie steht es um die Erkenntnis?

Serres vergleicht den heutigen historischen Umbruch mit dem Buchdruck. Die Medien übernehmen die Erziehung, die jungen Menschen haben sich gut im Virtuellen eingerichtet. Sie verhalten sich anders, kommunizieren anders und leben in einem anderen Raum. Serres lädt sie ein, diese neue Welt zu gestalten.

Das Individuum

Nach Serres zerfallen Zugehörigkeiten (katholisch, jüdisch, muslimisch, mittellos oder vermögend, ländlich oder urban,…) bedingt durch Reisen und das Internet. Junge Menschen von heute wollen ihr Leben individuell gestalten.

Was sollen Lehrende heute wem wie vermitteln?

Waren früher Gelehrte und Professoren eine lebende Bibliothek, ist heute Wissen im Internet für alle verfügbar.  Die Däumlinge, die nicht mehr still sitzen können, sind nach Serres kritisch, gebildet und interessiert. Dieser tiefgreifende Wandel betrifft nicht nur die Lehre, sondern wirkt sich auch auf Arbeit, Unternehmen, Politik, Recht und Gesundheit, etc. aus.

Serres sieht es als Herausforderung für die Jungen, ihr Umfeld zu erneuern und sich neu zu erfinden.

Diskussion

Persönlich finde ich Serres Essay sehr erfrischend und wie er die Art und Weise des Seins der Generation der „Däumlinge“ anerkennt, sympathisch. In unserer Diskussion beurteilten wir den Titel „Erfindet Euch neu!“ polemisch, und wir hielten fest, dass jede Generation den Anspruch hat, sich neu zu verorten.

In Bezug auf unsere Rolle als Lehrende fragten wir, ob und wie wir wissen, was die Studierenden für ihre Lernprozesse brauchen. In die Arbeit von Studiengangs-Entwicklungsteams etwa fließen die Bedürfnisse der Lernenden wenig ein – wir, die „alte“ Generation wissen zu genau, was „sie“ brauchen.

Der Generationenkonflikt wird in unserer Arbeit spürbar. Serres meint, die Jungen haben nicht mehr „den gleichen Kopf“. Sie haben nicht mehr die gleichen Werte und nicht mehr das gleiche Sitzfleisch, meinen wir. Und wir nehmen wahr, dass Diskussionen zur „Disziplinierung“ junger Menschen auftauchen, wie etwa ihnen die Nutzung des Laptops während des Unterrichts zu untersagen.

In ihren individuellen Ansprüchen sind heutige Studierende eine Herausforderung für uns Lehrende. Und auch wenn das ganze „Wissen“ online zur Verfügung steht, wie Serres meint, hinterfragen wir diese Verfügbarkeit von „Wissen“ – oder doch nur von „Informationen“?

In jedem Fall sind wir vier bereit Lernszenarien, Inhalte und Ziele mit unseren Studierenden zu verhandeln, um ihnen Mitgestaltungsrechte einzuräumen und unsere Lehre etwas an ihre Bedürfnisse anzupassen.

 

 

Es geht weiter mit dem Thema „Komplexe Systeme“. Unser Lesestoff, vorgeschlagen von Sylvia,  war diesmal aus dem Handbuch „Angewandte Psychologie für Führungskräfte“ Kapitel 2 „Organisationsverständnis“ von Thomas Steiger. In diesem Kapitel schreibt Steiger über 2.1 Historische Entwicklung der Organisationsbetrachtung, 2.2 Traditionelles Organisationsverständnis, 2.3 Organisation als komplexes System und 2.4 Organisation als soziotechnisches System.

Nach dem traditionellen Verständnis ist eine Organisation ein hierarchisches System, mit Abgrenzungen zwischen den Abteilungen und Spezialisierung statt Vernetzung (S 21). In Abgrenzung zu komplizierten Systemen, die zwar schwer zu verstehen sind, jedoch auf eindeutigen Gesetzmäßigkeiten beruhen (S 22), sind soziale Systeme komplex und dynamisch. Komplex meint, dass eine Wechselwirkung zwischen Menschen und Organisation Veränderungen bewirkt und darüber hinaus die Umwelten auf dieses Verhältnis einwirken (Systemsicht). Das bedeutet, dass komplexe Systeme vernetzt und intransparent sind und ihr Verhalten nicht vorhergesagt werden kann.

In heutigen Organisationen kommt es zu einer symbiotischen Verknüpfung von sozialen und technischen Systemen, es entstehen sogenannte „soziotechnische Systeme“ (S 24). Die Systemidentität einer Organisation wird durch das „Hauptgeschäft“ definiert, die Selbstorganisation und Selbstgestaltung (Autopoiese) fördern die Weiterentwicklung des soziotechnischen Systems. In solchen Systemen lassen sich Ursache und Wirkung nicht klar trennen, Aufgabe, Struktur und Kultur sind eng miteinanderverbunden.

In unserer Diskussion legten wir diese Modelle über unsere Hochschule, ihre Studiengänge und Institute sowie die Lehrsituation.

Systemische Sicht  auf Lehre

Systemisch Sicht auf Lehre

Lehrende und Studierende müssen die Lehr/Lernorganisation „verhandeln“, um ein System zu entwickeln, welches passend ist (Gudrun). In dieser Verhandlung geht es um den Abgleich der Wahrnehmungen, geht es darum, Unsicherheiten zu überwinden (unfreeze), eine neue Herangehensweise zu üben (change) und darin sicher zu werden (refreeze) (3 Phasenmodell Kurt Lewin mit Sicht auf soziale Systeme).  Das 3 Phasenmodell erinnert auch an unsere Diskussion zu Threshold concepts and transformational learning mit den Phasen preliminal, liminal und post liminal – mit Sicht auf Lernende. Unterschiedliche Studierende machen diese einzelnen Schritte unterschiedlich schnell, in dem Zusammenhang diskutierten wir die Dimensionen „Drinnen / Draußen“ der Gruppendynamik.

Persönlich merke ich allerdings, dass ich eine wirtschaftliche Sicht auf Lernprozesse nicht besonders mag und mich dieser Artikel ein bisschen in den Widerstand geführt hat.

In ihrem Blogpost schreibt Natasa über ihr Verständnis von Organisationen und über unser Septembertreffen im ZML-Leseclub

Steiger, T. (2013). Organisationsverständnis, in Steiger, T. und Lippmann. E. (Hrsg.), Handbuch Angewandte Psychologie für Führungskräfte,. DOI 10.1007/978-3-642-34357-5_2, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg

Bereits am 27.5.2014 begannen Gudrun, Natasa und ich Aspekte rund um unseren Lesestoff von David J. Snowden  und Mary E. Bone sowie Paul Cilliers zur Complexity  Theory zu diskutieren (Link zu den Publikationen siehe Seitenende).

Natasa stellte gleich eine Verbindung zu unserer  Identität her: wie wir  Wissenschaft, unsere Arbeit, unser Leben „sehen“ – also einfach, kompliziert, komplex oder chaotisch – hängt mit uns und unserer Identität  zusammen. Von unserem Hintergrund her haben wir unterschiedliche Zugänge zur Komplexität, Gudrun als Sprachwissenschafterin, Natasa als Psychologin, ich als Physikerin. Die Arbeit am ZML braucht eine interdisziplinäre Herangehensweise, gerade im Austausch mit den Lehrenden als unterschiedlichen Fachdisziplinen. Auf diese Weise wollen wir Komplexität zulassen, in der Hochschuldidaktischen Weiterbildung genau so wie im cope14-MOOC.

Am 9.7.2014 wurde unsere Runde durch Sylvia vergrößert, die als Erwachsenenbildnerin einen wissenschaftstheoretischen Ansatz in unsere Diskussion brachte. Basierend auf  dem von mir geäußerten Unbehagen, dass mathematisch klar definierbare chaotische Systeme in anderen  Wissenschaftsbereiche, etwa der Wirtschaft, viel weniger  klar definiert verwendet werden, legten wir drei Levels fest:

  • Metatheorien, die unabhängig sind von einer einzelnen Fachdisziplin und dadurch in mehreren Fachdisziplinen wirksam werden können,
  • Fachtheorien, Profession / Objekt / lokale Themen sowie
  • Handlungsebene und Alltagsverständnis: interdisziplinär und komplex!

Man könnte also sagen, dass die Chaostheorie als Fachtheorie Bausteine für eine Metatheorie enthält, die von anderen Fachdisziplinen, z.B. der Wirtschaft, für ihre eigenen Zwecke verändert werden können. Interessant fand ich, dass wir in unserem Austausch feststellten, dass Disziplinen wie Pädagogik oder Psychologie keine „Bausteine für Metatheorien“ liefern. Ich bin mir unsicher, ob  das stimmt.

Dann widmeten wir uns der Diskussion komplexer Systeme. Paul Cilliers‘ Artikel zählt einige Charakteristika von komplexen Systemen auf (S. 257):

  • Komplexe Systeme sind offen, sie befinden sich nicht im Gleichgewicht.
  • Sie bestehen aus vielen Komponenten.
  • Es gibt eine Vergangenheit – Zukunft – Beziehung: der „Output“ einzelner Komponenten hängt von ihrem Input ab, einige dieser Input-Output-Beziehungen sind nicht linear.
  • Die Komponenten reagieren miteinander, dabei gibt es unterschiedliche Reaktionswege.
  • Das Verhalten komplexer Systeme resultiert aus der Interaktion ihrer Komponenten, und nicht aus Eigenschaften der Komponenten selbst – das nennt man manchmal „emergence“.
  • Asymmetrische Strukturen entstehen durch interne dynamische Prozesse komplexer Systeme.
  • Mehr als eine Beschreibung eines komplexen Systems sind möglich.

Die für emergent learning so wichtige Balanz zwischen Offenheit und Struktur ist auch für komplexe Systeme gültig: Cillier schreibt: Die Struktur eines komplexen Systems ermöglicht sein komplexes Verhalten. Ein komplexes System muss beschränkt sein und darf nicht zu viele Freiheitsgrade haben. Sonst verhält es sich beliebig (S. 258).

Wir „kennen“ ein komplexes System nur im Rahmen eines bestimmten Ordnungssystems, das wir selbst gewählt haben. Unser Wissen über ein komplexes System ist immer provisorisch.(S. 259). Wir können komplexe „Dinge“ nicht komplex verstehen (S. 263).

Gudrun meine, unsere Lernkultur, unser Bewusstsein ist so ein Ordnungssystem, mit dem wir auf einen komplexen Sachverhalt blicken. Wir müssen uns entscheiden, was wir betrachten und was nicht.

Die Footprints of emergence machen Komplexität sichtbar, meinen wir – wobei sie eine Momentaufnahme sind.

In der Spannung zwischen Offenheit und vorgeschriebenem System, wo im Zwischenraum emergent learning möglich wird, sehen wir unseren Spielraum für didaktische Gestaltung.

Lesestoff:

  • David J. Snowden und Mary E. Boone “A Leader’s Framework for Decision Making“, Harvard Business Review
  • Cilliers, P. (2005). Complexity, deconstruction and relativism. Theory, Culture and Society, 22(5), 255-267.

Im ZML-Leseclub gehen wir weiter den Konzepten hinter den footprints of emergence nach. Thema unseres nächsten Treffens ist die „Complexity Theory“.

Gemäß der englischen Wikipedia sind folgende Themen mit der Complexity Theory verwandt:

  • Chaos theory (and computational complexity theory and algorithmic information theory)
  • Complexity theory and organisations (Behandlung von strategischen Aspekten)
  • Complexity theory and economics (Anwendung in der Wirtschaft)

Chaos Theory

Chaos Theory kenne ich aus der Physik und Mathematik. In chaotischen Systemen verursacht eine kleine Änderung der Anfangsbedingung eine nicht vorhersagbare Änderung des Gesamtsystems (plakatives Beispiel: ein Flügelschlag eines Schmetterlings ändert das Wetter). Ein Beispiel dafür ist das Doppelpendel. Die Bewegung des Doppelpendels ist zwar vorhersagbar, deterministisch (es gibt eine Bewegungsgleichung), allerdings höchst empfindlich auf die Anfangsbedingungen. D.h. auch wenn man versucht das Doppelpendel auf die exakt gleiche Art anzustoßen ist die resultierene Bewegung immer unterschiedlich, da es in der Realität nicht möglich ist eine Anfangsbedingung exakt gleich zu wiederholen. Beim chaotischen Pendel im Giessener Mathematikum sieht man die chaotische Bewegung des Doppelpendels gut, gegen Ende des Videos dreht es sich sogar in die Gegenrichtung.

Ein berühmter Name in der Chaosforschung ist Benoit Mandelbaum, der Erfinder der fraktalen Geometrie (fraktal kommt von fractus – zerbrochen). Fraktale haben einen „ausgefransten Rand“. Man sieht das etwa bei der „Kochkurve„, die zwar eine endliche Fläche umschließt, bei der man jedoch nicht weiß, wie lange sie ist. (Ein nützlicher Begriff ist die Hausdorff Dimension, die bei Fraktalen keine ganzzahlige Dimension besitzt).

Zusammenfassend kann man sagen, dass chaotische Systeme in der Natur häufig vorkommen und es zahlreiche Theorien und mathematische Modelle gibt, sie zu beschreiben. Solche Modelle werden auch in der Wirtschaft verwendet.

In einem der Artikel, den wir für den ZML-Leseclub diskutieren, geht es um Complexity theory and organisations / and economics.

Simple, complicated, complex and chaotic systems

Im Harvard Business Review beschreiben David J. Snowden und Mary E. Boone „A Leader’s Framework for Decision Making„, dabei unterscheiden sie zwischen einfachen, komplizierten, komplexen und chaotischen Systemen.

  1. In einfachen Systemen unterstützen „Best paractice“ Beispiele Führungskräfte in ihrer Entscheidungsfindung. Die AutorInnen nennen solche Systeme „known knowns“ – die Entscheidungen werden akzeptiert, weil die Beteiligten das Problem oder die Herausforderung auf eher gleiche Art verstehen. Im Weiteren ist angeführt, dass die Welt selten so einfach ist und auch in einfachen Systemen Probleme auftreten können.
  2. Komplizierte Systeme brauchen Expertinnen und Experten. Im Bereich der „known unknowns“ liefern ExpertInnen „good pratice“ Beispiele, da es eine „beste“ Lösung meist nicht gibt. Komplizierte Fragestellungen fordern Führungskräfte, gerade auch wenn die ExpertInnen einander widersprechende Lösungswege vorschlagen. Kreative Ansätze können Lösungen für komplizierte Probleme bringen, ein spielebasiertes Szenario kann zu neuen Perspektiven führen.
  3. Komplexe Systeme werden als „unknown unknowns“ bezeichnet: was passieren wird, ist nicht vorhersagbar. Erst im Rückblick kann eine komplexe Situation verstanden werden. Komplexe Systeme brauchen eine experimentelle Herangehensweise, in der Fehler passieren dürfen. „Safe to fail“-Experimente finden in einem sicheren Raum statt, in dem Ideen scheitern können (sich als nicht nützlich erweisen können). Mit den Ideen, die beobachtbare positive Ergebnisse liefern, kann weitergearbeitet werden. Emergente Prozesse spielen beim Umgang mit komplexen Systemen eine wichtige Rolle.
  4. Die Entwicklung chaotischer Systeme ist nicht voraussehbar. chaotische Systeme sind „unknowable„. Die Herausforderung für Führungskräfte besteht darin, eine chaotische Situation (Krise) in eine komplexe Situation überzuführen.

Den Zusammenhang von komplexen Systemen mit Didaktik, Lehre und Training werden wir bei unserem kommenden Leseclub diskutieren.

 

In diesem Jahr kreisten unsere Diskussionen rund um drei Themen:

  • Wir begannen das Jahr mit den Footprints of emergence, und als Team des ZML-Leseclubs reichten wir ein Poster und einen Workshop bei der GMW-Tagung (Sep. 13, Frankfurt) ein und waren zweimal erfolgreich. Das Thema der Footprints beschäftigte uns das ganze Jahr, wir reflektierten Unterschiedliches mit Footprints, boten Workshops für Interessierte an und im Dezember auch einen Online-Kurs.
  • Dann drängten sich, wie bereits 2012, die MOOCs in das Zentrum unserer Wahrnehmung – auch rund um meine Teilnahme am Creativity MOOC von Tina Selig. Über MOOC-Erfahrungen als Anbieterin werde ich bei der emoocs2014 berichten – und – wir basteln bereits an unserem eigenen MOOC.
  • Im Austausch mit Jenny Mackness und Roy Williams (die „Eltern“ der Footprints of emergence) tauchten Begriffe wie liminal space, threshold concepts und tranformational learning auf, diesen Inhalten widmeten wir uns am Ende des Jahres.

Wir starten das Jahr 2014 mit Lesestoff zu Critical Thinking und freuen uns auf eine Erweiterung des Leseclubs durch Sylvia … und wir werden uns ein bisschen öfters treffen und uns einem monatlichen Leseclub nähern.

Januar: Footprints of my students

März:  Footprints for “Emerging Learning” – Variety of a creative method of reflection

April:  MOOCs: Reflexion und aktuelles Angebot

Mai:  Was bieten xMOOCs?

September:  What is the difference between a MOOC and the e-learning courses of the last years?

November:  Threshold concepts and transformational learning

Dezember: Additional reading with respect to threshold learning