ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Archive for the ‘ZML-Leseclub’ Category

Letzte Woche diskutierten wir das Thema Edusemiotics im ZML-Leseclub und die meisten von uns plagten sich beim Lesen eines sehr geisteswissenschaftlichen Artikels.

edusem

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In the weeks after my last post I continued reading Schön’s books „Reflective Practitioner“ (1) and “Educating the Reflective Practitioner” (2). This week we will discuss his ideas in the ZML Journal Club and I want to get a better understanding of what I have read.
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Reading Schön’s book “Reflective Practitioner” is a great pleasure for me. In this post I will focus on the preface and Part I: Professional Knowledge and Reflection-in-Action (p. 3-69) Read the rest of this entry »

Der Begriff Andragogy meint die lebenslange Bildung von Erwachsenen (wortwörtlich eigentlich “von Männern” – weil wir Frauen schon schlau genug sind?). Ich verstehe unter Andragogy Lebenslanges Lernen (LLL).

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Eine “unserer” Journalismus und PR-Studentinnen – Kathrin Rathmayer – verfasste 2014 eine interessant genderlect-Rathmayr-2014 (in Englisch) mit dem Titel “Genderlect – The verbal battle for female intimacy and male independence”. Schon länger wollten wir diese Arbeit im ZML-Leseclub diskutieren, gestern gelang es uns endlich.

In ihrer Arbeit leitet Rathmayer im ersten Kapitel zum Thema Language and Gender ein, wobei ich den Ausdruck Genderlect, geprägt von Deborah Tannen vorher gar nicht kannte. Tannen betrachtet den Unterschied in der Kommunikation von Frauen und Männern aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive. Im zweiten Kapitel beschäftigt sich Rathmayer mit Gender im elektronischen Diskurs und im dritten Kapitel analysiert sie Unterschiede in Weblogs von Autorinnen und Autoren.

Da der ZML-Leseclub rein weiblich besetzt ist, war unsere Diskussion auch von unseren Emotionen geprägt. Aus eigenen Beispielen konnten wir bestätigen, dass Frauen in der Kommunikation Beziehung und Beteiligung (involvement) ausdrücken während Männer nach Unabhängigkeit streben. In ihrer Sprache stellen Frauen Beziehung her, in dem sie unterstützen, nachfragen, einen Kontext herstellen, Emotionen sichtbar machen, ihre Aussagen relativieren (es könnte auch anders sein, gleichberechtigte/ symmetrische Sicht), während Männer sich eher auf den Inhalt konzentrieren, rasch zum Punkt kommen und ihren Status festlegen/verteidigen (hierarchische/ asymmetrische Sicht).

In der Computer-Mediated Communication bestand in den späten 80-er Jahren die Hoffnung, dass das Internet diese Unterscheide auflösen würde, und anfangs war durch die Möglichkeit anonymer Aktivitäten die Kategorie Gender kein großes Thema. Dies erweis sich allerdings genauso bald als unrealistisch wie die Erwartung, dass das Internet vor allem demokratische Prozesse stärken würde. 2007 hält Susan Herring fest, dass die Genderlect Theorie zu face-to-face Interaktionen auch für Online-Diskussionen gültig ist.

Struktur und Inhalte von Online-Postings unterscheiden sich je nach Geschlecht der AutorInnen (Rathmayr, S30). Frauen beginnen meist mit einer Einführung, die zu etwas anderem verlinkt (Beziehung herstellen – trifft z.B. für diesen Post zu, ohne dass das meine Absicht war!). Dann folgen Informationen gespickt mit Phrasen, die Höflichkeit, Emotion, Relativierung enthalten (ist in diesem Post auch sichtbar, siehe etwa Anfang des 3. Absatzes). Viele Frauen verfolgen einen harmonischen, beziehungsstiftenden Stil. Männer hingegen posten häufig mit dem Ziel ihren sozialen Status sichtbar zu machen, d.h. sie suchen nicht nach Harmonie sondern fordern andere heraus, kritisieren und verwenden einen konkurrenzbetonten Stil.

Nach Auseinandersetzung mit den Inhalten der Bachelorarbeit tauchten in unsrer Diskussion im ZML-Leseclub ganz unterschiedliche Aspekte auf. Uns gefiel Tannens Ausdruck “cross cultural communication” für Genderlect, also der Ansatz die Kommunikation über Geschlechter hinweg mit der Kommunikation über Kulturen hinweg zu vergleichen. Wir sprachen über unsere Kinder und wie sie dem Thema Sex online ausgesetzt sind, Natasa erzählte von dem Buch So Sexy So Soon, das sie sosehr berühtre, dass sie es nicht fertig lesen wollte. Wir rätselten, warum junge Männer sich in ihrer Ausbildung für Film entscheiden und junge Frauen für Fotografie (Klassenbelegung in der Grazer Ortwein-Schule). Und wir hatten viele Ideen, wo wir in unseren Online-Lernszenarien nach Gender-Differenzen Ausschau halten könnten.

Facial-gender-by-PLoS-One-Creative-CommonsPhoto credit: Syed Zulqarnain Gilani, et al. (Creative Commons), PsyPost

2014 gab es das cope14-MOOC, also “unser” MOOC, das wir initiierten und mit einem Team aus Kolleginnen und Kollegen gemeinsam anboten – beim Rückblick auf meine Posts des ZML-Leseclubs im Jahr 2014 kann man die Auswirkungen von cope14 auf uns gut ablesen, von Februar bis Juni schafften wir es gar nicht, uns dem Tagesgeschäft zu entziehen und ein bisschen über E-Didaktik zu lesen und zu diskutieren.

Wenn ich meine erstellten 5 Postings Revue passieren lasse, merke ich, dass wir auch in diesem Jahr immer noch von den Theorien hinter den Footprints of Emergence beeinflusst waren.

Hier zur Erinnerung ein Mindmap rund um die Theorien hinter den Footprints:

 

mindmap-background-footprint-factors

Zum Thema threshold learning kamen wir über den Faktor liminal space, Chaos- und Complexity Theories beschäftigten uns sogar dreimal, wobei unser Blick bei Aspekten der Chaos Theory startete, bei der Komplexitätstheorie verweilte und schließlich bei Organisationen landete. Zum Ausklang beschäftigten uns dann die kleinen Däumlinge, ein Thema ganz unabhängig von den Footprints.

So wie in diesem Jahr haben wir noch nie um die Termine des ZML-Leseclubs gekämpft und uns sehr abgemüht, zumindest ein paar Seiten der Literatur zu lesen bzw. einen Blogpost zu schreiben. Das finde ich schade und bedenklich, weiß jedoch auch als selbst Betroffene nicht, wie ich mir besser mehr Freiräume schaffen könnte. Also werde ich und werden wir, hoffe ich, 2015 einfach weiter kämpfen 🙂

Im ZML-Leseclub vom Oktober diskutierten wir den Essay des französischen Philosophen und Wissenschaftstheorethikers Michel Serres: Erfindet euch neu! über die “Däumlinge des Internets” und die digitale Gesellschaft.

Wir fokussierten auf das erste Kapitel “Die Kleinen Däumlinge”, in denen Serres die Unterschiede zwischen heutigen jungen Menschen und den jungen Menschen vor 50 Jahren darstellt.

Die kleinen Däumlinge

Serres sieht heutige Jugendliche als kleine Däumlinge, die gleichzeitig eine SMS tippen, auf Facebook chatten und Wikipedia konsultieren. Sie sind großteils StadtbewohnerInnen, leben in einer Welt voller Menschen, sind medizinisch gut betreut und haben ein langes Leben vor sich, das sie voraussichtlich mit mehreren PartnerInnen teilen werden.

So viel zum Körper. Wie steht es um die Erkenntnis?

Serres vergleicht den heutigen historischen Umbruch mit dem Buchdruck. Die Medien übernehmen die Erziehung, die jungen Menschen haben sich gut im Virtuellen eingerichtet. Sie verhalten sich anders, kommunizieren anders und leben in einem anderen Raum. Serres lädt sie ein, diese neue Welt zu gestalten.

Das Individuum

Nach Serres zerfallen Zugehörigkeiten (katholisch, jüdisch, muslimisch, mittellos oder vermögend, ländlich oder urban,…) bedingt durch Reisen und das Internet. Junge Menschen von heute wollen ihr Leben individuell gestalten.

Was sollen Lehrende heute wem wie vermitteln?

Waren früher Gelehrte und Professoren eine lebende Bibliothek, ist heute Wissen im Internet für alle verfügbar.  Die Däumlinge, die nicht mehr still sitzen können, sind nach Serres kritisch, gebildet und interessiert. Dieser tiefgreifende Wandel betrifft nicht nur die Lehre, sondern wirkt sich auch auf Arbeit, Unternehmen, Politik, Recht und Gesundheit, etc. aus.

Serres sieht es als Herausforderung für die Jungen, ihr Umfeld zu erneuern und sich neu zu erfinden.

Diskussion

Persönlich finde ich Serres Essay sehr erfrischend und wie er die Art und Weise des Seins der Generation der “Däumlinge” anerkennt, sympathisch. In unserer Diskussion beurteilten wir den Titel “Erfindet Euch neu!” polemisch, und wir hielten fest, dass jede Generation den Anspruch hat, sich neu zu verorten.

In Bezug auf unsere Rolle als Lehrende fragten wir, ob und wie wir wissen, was die Studierenden für ihre Lernprozesse brauchen. In die Arbeit von Studiengangs-Entwicklungsteams etwa fließen die Bedürfnisse der Lernenden wenig ein – wir, die “alte” Generation wissen zu genau, was “sie” brauchen.

Der Generationenkonflikt wird in unserer Arbeit spürbar. Serres meint, die Jungen haben nicht mehr “den gleichen Kopf”. Sie haben nicht mehr die gleichen Werte und nicht mehr das gleiche Sitzfleisch, meinen wir. Und wir nehmen wahr, dass Diskussionen zur “Disziplinierung” junger Menschen auftauchen, wie etwa ihnen die Nutzung des Laptops während des Unterrichts zu untersagen.

In ihren individuellen Ansprüchen sind heutige Studierende eine Herausforderung für uns Lehrende. Und auch wenn das ganze “Wissen” online zur Verfügung steht, wie Serres meint, hinterfragen wir diese Verfügbarkeit von “Wissen” – oder doch nur von “Informationen”?

In jedem Fall sind wir vier bereit Lernszenarien, Inhalte und Ziele mit unseren Studierenden zu verhandeln, um ihnen Mitgestaltungsrechte einzuräumen und unsere Lehre etwas an ihre Bedürfnisse anzupassen.