ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Twitter im Journalismus-Studium – erstes Monitoring

Posted on: Dezember 2, 2016

In der LV Webkompetenz für Medienberufe – 1. Sem. im Studium Journalismus und PR, FH JOANNEUM – steht der Erwerb von Web Literacies im Zentrum. Anhand des Mikrobloggingdienstes Twitter setzen sich über 40 Studierenden mit Competencies needed for reading, writing, and participating on the Web (siehe auch Mozillas Web Literacy Map) auseinander.

Auftrag der Phase 1 war Schreiben, Schreiben, Schreiben. In den letzten drei Tagen unterzog ich die Twitter-Aktivitäten „meiner“ #jpr16 Studierende einem ersten Monitoring und bin sehr zufrieden. 

Statistik

Zwischen 2 und über 200 Tweets verfassten die Studierenden in den ersten eineinhalb Monaten. Da meiner Meinung nach die kontinuierliche Arbeit mit einem Social Media Werkzeug für eine tiefe Auseinandersetzung nötig ist, gibt es den Zwang der 10 Tweets pro Woche. Da beeindruckt mich das Engagement der Studierenden sehr, 50% haben mehr als das Doppelte gepostet!

Durch kleines Anstupsen sind nun auch die beiden Wenigschreiberinnen gestern und vorgestern in die Gänge gekommen  🙂

Challenge

So viele Tweets zu lesen ist natürlich eine Herausforderung. Ich führe diese Aufgabe in vier Teilen durch, zehn Personen hintereinander kann ich noch irgendwie wahrnehmen. Zuerst scrolle ich den öffentlicheren Teil unter „tweets“, schaue, wo ich hängen bleibe, was in mir auf Resonanz stößt. Mein Anspruch ist bei jeder Person etwas zu entdecken, bei dem ich andocken kann und wo ich dann auch reagiere. Das ist meistens leicht, manchmal schwieriger – und gegen Ende bin ich auch nicht mehr so neugierig wie zu Beginn. Das tut mir leid! Es kann auch sein, dass ich dann vergesse, einem Studenten oder einer Studentin gegenüber zu reagieren. Das finde ich nicht ok, doch es passiert, auch hier sorry, falls es diesmal so war.

Unter tweets&replies sehe ich dann ein vollständigeres Bild.

Das schaue ich mir an

  • Welche Inhalte kommen vor? READ / WRITE
  • Wie viele retweets, wie viele Verlinkungen? READ
  • Werden Media eingebunden? WRITE
  • Wird die Person für mich sichtbar? (etwa persönliche Kommentare zu Links, Auswahl der Medien, Profilbild) WRITE
  • Wie (sehr) ist die Person in Kontakt mit anderen? PARTICIPATE

Die follower / following Infos checke ich Ende Dezember.

Gruppenfeedback

Mein Besuch der studentischen Twitter-Räume war spannend und unterhaltsam. Ich wurde zum Lesen unterschiedlichster Artikeln angeregt und zum Musik Hören. Ich sah tolle Medieneinbindung. Die bewegten Gifs bin ich rasch übersprungen.

Manchmal erschien mir die Person noch ein bisschen in ihrer eigenen Echokammer mit vielen retweets und wenig persönlichen Bezügen. Ich bin über Dialekt-Tweets gestolpert, das ist nicht mein Stil, doch ich habe es dann gleich ausprobiert. Tweeten in unterschiedlichen Sprachen finde ich nett. Offen ist für mich das Thema der gepinnten Beiträge. Ich würde einen Beitrag nie pinnen. Das mache ich in facebook mit Studierendengruppen, damit die Aufgabenstellung sichtbar bleibt – doch Twitter hat einen anderen Drive für mich.

post-dez

Phase 2

In der zweiten Phase bis Weihnachten geht es nun darum die Qualität der Tweets und des Austauschs zu steigern, anhand einer Reflexion der eigenen Aktivitäten und eines Vorbilds (es kann ein gutes oder schlechtes Vorbild sein).

Reflexionsfragen

  • Mein Twitter Profil: welchen Namen verwende ich, welches Bild, warum habe ich den Namen ev. auch gewechselt?
  • Mein Twitter Stil: Wie viel an eigenem Text schreibe ich? Wie viele Retweets? 
  • Wie viele Links zu anderen Inhalten? Glaube ich, dass ich meine LeserInnen zum Besuch der Links motiviere? Und wie mache ich das?
  • Verwende ich Multimedia in meinen Tweets? Warum mache ich das und was ist der Erfolg?
  • Wie gut bin ich mit anderen vernetzt? Gibt’s auch Gespräche in einer kleinen Gruppe? Wie profitieren wir da?
  • Welchen Leuten folge ich? Und was habe ich davon?

Cool wäre es diese Reflexion in Twitter sichtbar zu machen!

Vorbild: Vielschreiber*in

Aufgabenstellung: Sucht euch eine Vielschreiberin auf Twitter (jede Person jemanden anderen) und verfolgt ihre oder seine Aktivitäten für eine Woche. Postet die ausgewählte Person in einem Tweet. Überlegt dann, was diese Person schreibt, warum sie so viel schreibt, und was ihr von ihr lernen können. Ev. startet Ihr diese Beobachtung auch mit Eurer persönlichen Fragestellung. Teilt ein paar Einblicke auf Twitter mit anderen.

Studierendenfeedback

Gleich nach meinem Posting gab es die Reaktion eines/r Studierenden. So ein rasches Feedback finde ich total fein, da es mir dabei hilft, die Auswirkungen meines Feedbacks klarer zu verstehen. Ich möchte gleich betonen, dass auch Personen, die sich seit ewiger Zeit mit Webkompetenzen auseinandersetzen, nur eine Sicht haben (nicht die Sicht). Ich lerne gerne selbst dazu und überprüfe meine Annahmen.

„Sie schreiben immer wieder, dass bei manchen Studierenden die Person dahinter nicht sichtbar wird“

Mit Person dahinter meine ich, ob Tweets auf mich authentisch oder aufgesetzt wirken. Immer nehme ich ja – auch online! – zu einem gewissen Maß auch die Person dahinter war.

„Ich möchte nichts Privates posten … hat ein Posting über mein Essen oder darüber was ich grad daheim tue nichts in meinem Twitter Feed verloren“

In Bezug auf private Inhalte ist umstritten und unklar, wie viel an Privatheit „gut“ ist. Zu viel an Privatem gefällt mir auch nicht. Andererseits werden private Seite beim Posten sichtbar, etwa Radfahren, was einem gefällt, politische Einstellungen beim Posten zum Tagesgeschehen. Für mich kommt hier der Aspekt der Authentizität zum Tragen. Was ich schreibe, soll zu mir passen, soll ich gut vertreten können.

Darstellung „meiner Person …. sollte … nicht Pflicht sein um als „gute“ Twitterin zu gelten.

Ich möchte unterstützen, dass jede Person ihren oder seinen eigenen Stil sucht. Ich kann und möchte Euch nicht zu einem Stil zwingen – doch ich erwarte, dass Ihr Euren Stil reflektiert und in dem Rahmen, der Euch passt, auch was ausprobiert.

„es macht mehr Spaß als ich anfangs gedacht habe „

Das freut mich und ich möchte Euch auf gar keinen Fall den Spaß nehmen!

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