ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Genderlect – rapport versus report

Posted on: April 18, 2015

Eine „unserer“ Journalismus und PR-Studentinnen – Kathrin Rathmayer – verfasste 2014 eine interessant genderlect-Rathmayr-2014 (in Englisch) mit dem Titel „Genderlect – The verbal battle for female intimacy and male independence“. Schon länger wollten wir diese Arbeit im ZML-Leseclub diskutieren, gestern gelang es uns endlich.

In ihrer Arbeit leitet Rathmayer im ersten Kapitel zum Thema Language and Gender ein, wobei ich den Ausdruck Genderlect, geprägt von Deborah Tannen vorher gar nicht kannte. Tannen betrachtet den Unterschied in der Kommunikation von Frauen und Männern aus einer sprachwissenschaftlichen Perspektive. Im zweiten Kapitel beschäftigt sich Rathmayer mit Gender im elektronischen Diskurs und im dritten Kapitel analysiert sie Unterschiede in Weblogs von Autorinnen und Autoren.

Da der ZML-Leseclub rein weiblich besetzt ist, war unsere Diskussion auch von unseren Emotionen geprägt. Aus eigenen Beispielen konnten wir bestätigen, dass Frauen in der Kommunikation Beziehung und Beteiligung (involvement) ausdrücken während Männer nach Unabhängigkeit streben. In ihrer Sprache stellen Frauen Beziehung her, in dem sie unterstützen, nachfragen, einen Kontext herstellen, Emotionen sichtbar machen, ihre Aussagen relativieren (es könnte auch anders sein, gleichberechtigte/ symmetrische Sicht), während Männer sich eher auf den Inhalt konzentrieren, rasch zum Punkt kommen und ihren Status festlegen/verteidigen (hierarchische/ asymmetrische Sicht).

In der Computer-Mediated Communication bestand in den späten 80-er Jahren die Hoffnung, dass das Internet diese Unterscheide auflösen würde, und anfangs war durch die Möglichkeit anonymer Aktivitäten die Kategorie Gender kein großes Thema. Dies erweis sich allerdings genauso bald als unrealistisch wie die Erwartung, dass das Internet vor allem demokratische Prozesse stärken würde. 2007 hält Susan Herring fest, dass die Genderlect Theorie zu face-to-face Interaktionen auch für Online-Diskussionen gültig ist.

Struktur und Inhalte von Online-Postings unterscheiden sich je nach Geschlecht der AutorInnen (Rathmayr, S30). Frauen beginnen meist mit einer Einführung, die zu etwas anderem verlinkt (Beziehung herstellen – trifft z.B. für diesen Post zu, ohne dass das meine Absicht war!). Dann folgen Informationen gespickt mit Phrasen, die Höflichkeit, Emotion, Relativierung enthalten (ist in diesem Post auch sichtbar, siehe etwa Anfang des 3. Absatzes). Viele Frauen verfolgen einen harmonischen, beziehungsstiftenden Stil. Männer hingegen posten häufig mit dem Ziel ihren sozialen Status sichtbar zu machen, d.h. sie suchen nicht nach Harmonie sondern fordern andere heraus, kritisieren und verwenden einen konkurrenzbetonten Stil.

Nach Auseinandersetzung mit den Inhalten der Bachelorarbeit tauchten in unsrer Diskussion im ZML-Leseclub ganz unterschiedliche Aspekte auf. Uns gefiel Tannens Ausdruck „cross cultural communication“ für Genderlect, also der Ansatz die Kommunikation über Geschlechter hinweg mit der Kommunikation über Kulturen hinweg zu vergleichen. Wir sprachen über unsere Kinder und wie sie dem Thema Sex online ausgesetzt sind, Natasa erzählte von dem Buch So Sexy So Soon, das sie sosehr berühtre, dass sie es nicht fertig lesen wollte. Wir rätselten, warum junge Männer sich in ihrer Ausbildung für Film entscheiden und junge Frauen für Fotografie (Klassenbelegung in der Grazer Ortwein-Schule). Und wir hatten viele Ideen, wo wir in unseren Online-Lernszenarien nach Gender-Differenzen Ausschau halten könnten.

Facial-gender-by-PLoS-One-Creative-CommonsPhoto credit: Syed Zulqarnain Gilani, et al. (Creative Commons), PsyPost
Schlagwörter: , , ,

1 Response to "Genderlect – rapport versus report"

Liebe Jutta, danke für deinen Blogbeitrag zu unserer Diskussion! Manchmal nehmen wir von einem ZML-Leseclub sehr unterschiedliche Dinge mit, dieses Mal habe ich unsere Auseinadersetzung genauso erlebt, wie du sie hier schilderst. Spannend fand ich, dass du die Merkmale weiblicher Sprache in deinem Blogbeitrag entdeckt hast🙂. Liebe Grüße,
Natasa

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: