ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Lehre als komplexe Organisation

Posted on: Oktober 27, 2014

Es geht weiter mit dem Thema „Komplexe Systeme“. Unser Lesestoff, vorgeschlagen von Sylvia,  war diesmal aus dem Handbuch „Angewandte Psychologie für Führungskräfte“ Kapitel 2 „Organisationsverständnis“ von Thomas Steiger. In diesem Kapitel schreibt Steiger über 2.1 Historische Entwicklung der Organisationsbetrachtung, 2.2 Traditionelles Organisationsverständnis, 2.3 Organisation als komplexes System und 2.4 Organisation als soziotechnisches System.

Nach dem traditionellen Verständnis ist eine Organisation ein hierarchisches System, mit Abgrenzungen zwischen den Abteilungen und Spezialisierung statt Vernetzung (S 21). In Abgrenzung zu komplizierten Systemen, die zwar schwer zu verstehen sind, jedoch auf eindeutigen Gesetzmäßigkeiten beruhen (S 22), sind soziale Systeme komplex und dynamisch. Komplex meint, dass eine Wechselwirkung zwischen Menschen und Organisation Veränderungen bewirkt und darüber hinaus die Umwelten auf dieses Verhältnis einwirken (Systemsicht). Das bedeutet, dass komplexe Systeme vernetzt und intransparent sind und ihr Verhalten nicht vorhergesagt werden kann.

In heutigen Organisationen kommt es zu einer symbiotischen Verknüpfung von sozialen und technischen Systemen, es entstehen sogenannte „soziotechnische Systeme“ (S 24). Die Systemidentität einer Organisation wird durch das „Hauptgeschäft“ definiert, die Selbstorganisation und Selbstgestaltung (Autopoiese) fördern die Weiterentwicklung des soziotechnischen Systems. In solchen Systemen lassen sich Ursache und Wirkung nicht klar trennen, Aufgabe, Struktur und Kultur sind eng miteinanderverbunden.

In unserer Diskussion legten wir diese Modelle über unsere Hochschule, ihre Studiengänge und Institute sowie die Lehrsituation.

Systemische Sicht  auf Lehre

Systemisch Sicht auf Lehre

Lehrende und Studierende müssen die Lehr/Lernorganisation „verhandeln“, um ein System zu entwickeln, welches passend ist (Gudrun). In dieser Verhandlung geht es um den Abgleich der Wahrnehmungen, geht es darum, Unsicherheiten zu überwinden (unfreeze), eine neue Herangehensweise zu üben (change) und darin sicher zu werden (refreeze) (3 Phasenmodell Kurt Lewin mit Sicht auf soziale Systeme).  Das 3 Phasenmodell erinnert auch an unsere Diskussion zu Threshold concepts and transformational learning mit den Phasen preliminal, liminal und post liminal – mit Sicht auf Lernende. Unterschiedliche Studierende machen diese einzelnen Schritte unterschiedlich schnell, in dem Zusammenhang diskutierten wir die Dimensionen „Drinnen / Draußen“ der Gruppendynamik.

Persönlich merke ich allerdings, dass ich eine wirtschaftliche Sicht auf Lernprozesse nicht besonders mag und mich dieser Artikel ein bisschen in den Widerstand geführt hat.

In ihrem Blogpost schreibt Natasa über ihr Verständnis von Organisationen und über unser Septembertreffen im ZML-Leseclub

Steiger, T. (2013). Organisationsverständnis, in Steiger, T. und Lippmann. E. (Hrsg.), Handbuch Angewandte Psychologie für Führungskräfte,. DOI 10.1007/978-3-642-34357-5_2, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg

3 Antworten to "Lehre als komplexe Organisation"

(M)eine Anmerkung: die beschrieben Sicht auf Organisationen ist vor allem eine soziologische und eine aus der Arbeits- und Organisationspsychologie, die sich von einer betriebswirtschaftlichen, oder wie Peter Drucker es auch nennt, einer administrativen Sicht auf Organisationen deutlich unterscheidet.
Wenn es um Lernen in und von Organisationen geht ist das soziotechnische Organisationsverständnis ein lohnender Ausgangspunkt.

Liebe Sylvia, ja, ich weiß, dass meine Abneigung nicht ganz gerechtfertigt ist. Die Sicht auf die Prozesse fand ich ja interessant, die Beispiele allerdings weniger …
Ciao, Jutta

Danke Jutta für deinen Beitrag! Ich habe ihn gelesen und mich dadurch noch mal an unserer Diskussion erinnert. Lernen in Organisationen fand ich deswegen sehr spannend, weil ich mich mit den Lernprozessen in unserer Arbeitsgruppe auseinander gesetzt habe. Was sehen wir als Team und in wie fern und auf weche Bereiche sind wir blind? War zum Beispiel eine Frage, die ich mir gestellt habe.

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