ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Podiumsdiskussion mit Sylvia Hojnik, Lenz Werner und Klaus Posch über Studierendengruppe, Leistungsbewertung und Scheitern

Posted on: November 19, 2013

Doris Kiendl-Wendner moderiert die Podiumsdiskussion.

Gibt es überhaupt Studierendengruppen?

Lenz: ich sehe mich nicht Gruppen von Studierenden gegenüber, sondern eher Individuen

Hojnik: zog sich von der Uni-Lehre zurück als Lehre in kleinen Gruppen nicht mehr möglich waren

Eine Zuhörerin: an der Pädagogischen Hochschule gibt es eher kleine Gruppen – allerdings haben manche Studierende den Wunsch nach Anonymität

Posch: Offensichtlich haben wir mit jungen Menschen zu tun, die sich im Wettbewerb fühlen – ich sehe das als Anpassungsleistung. Diesen Menschen wird irgendwann die Luft ausgehen. Die Studierenden bräuchten die gegenseitige Anerkennung. Wir wünschen uns als autonome Objekte anerkannt zu werden, doch wir möchten auch etwas bekommen. Unser Selbstwert steigert sich durch das Geben an andere und das Nehmen von anderen. Das sollen unsere Studierenden mitbekommen: sie sollen etwas geben, um etwas zu bekommen. Sie sollen Widerstand leisten in dieser Wettbewerbsgesellschaft. Wettbewerb sollte im Rahmen von Solidarität erfolgen.

Geben / Nehmen

Lenz: Wer lehrt Geben / Nehmen?

Lenz: Es gibt in Österreich auch Fernstudien (etwa Fernuni Hagen), sie zogen Leute an, die sich zurückziehen wollen. Wir haben ein Ziel: Teamgeist. Was heißt Teamgeist? Bei uns: an Fehlern nicht schuld sein, bei Erfolgen sich damit schmücken.

Lenz: Wie weit fördern neue Medien Kommunikation und Geben / Nehmen?

Dilemma

Hojnik: Wir wissen nicht genau, wie Lernen funktioniert. Ursache-Wirkung kann nicht funktionieren. Es gibt den Wunsch, zu wissen, was meine Interaktionen bei Lernenden auslösen sollen. Man soll sich auch zuzugestehen,  zu experimentieren. Dilemma: wie überprüfe ich die Ziele bei Experimenten?

Posch: Jede Gruppe, die gut funktioniert, fängt an zu experimentieren. Hier müssen wir den Studierenden kommunzieren, dass auch jedes Experiment schiefgehen kann. Es gibt eher das Problem der Fadesse im Unterricht, dass wir uns zu wenig trauen.

Verantwortung der Lehrenden

Zuhörer:  Welt des gesicherten Wissens. Personen in berufsbegleitenden Studiengängen bringen bereits viel an Wissen mit. Junge Studierende, die aus der Schule kommen – hier müssen die Lehrenden Orientierung geben. Lehrende haben Verantwortung gegenüber dem Fach.

Posch: Selbstverständlich ist der Dialog zur Wissenschaft ein wichtiger Aspekt.

Zuhörerin: Frage der Leistungsüberprüfung ist wichtig. Studierende, die sich persönlich gut entwickeln, in Projekten gut arbeiten, dann bei der Prüfug nicht sehr gut sind – wie bewerte ich das?

Posch: Das Thema Selbstbeurteilung ist ganz schwierig, es scheitern auch ganz begabte, sehr gute Studierende an den eigenen Ansprüchen oder andere Studierenden schummeln sich eher durch. Versuchen wir Beurteilungen ernst zu nehmen, aber nicht zu ernst – das soll auch den Studies mitgeteilt werden. Beurteilungen inkludieren auch die Beziehung.

Hojnik: Wichtig ist Resultate und ihre Überprüfung genau zu benennen und beschreiben gegenüber den Studierenden. Bewertungen sind subjektiv.

Kiendl-Wender: Erwartungen der Studierenden sind wichtig, das ist ein eigener Forschungszweig in England.

Zuhörer: Prüfungsnote ist eine Momentaufnahme. Studierenden wollen Schwächen gezeigt bekommen (Erfahrung  aus der Betreuung von Bachelor, Master Arbeiten).

Lenz: Note kann um persönliche Bemerkungen ergänzt werden. Auch nur Sehr gut zu geben in einer LV ist legitim.

Sexuelle Aspekte der Beziehung zwischen Lehrenden und Studierenden

Zuhörer: warum ist dieses Thema so rasch wieder aus der Diskussion verschwunden?

Hojnik: Als Person sind wir sexuelle Wesen. Ich bin eine als Frau wahrnehmbare Person – es ist manchmal eine Irritation, dass das Fach „Organisation“ von einer Frau gelehrt wird. Ich möchte als Frau in meiner Lehre geschätzt werden.

Posch: Wenn ich auch als Psychoanalytiker über Beziehungen spreche, ist Sexualität ein wichtiges Thema. Im akademischen Bereich ist die Sexualität ein großes Tabu, sie wird sublimiert. Wir sollten die Fantasie zulassen: „We are the sexiest University of the World“. Mir war es wichtig zu enttabuisieren. In der Sozialarbeit ist der sexuelle Aspekt ein wichtiges Thema, weil man sich so nahe kommt. Für Studierende ist wichtig zu sehen, dass dieses Thema besprochen werden kann.

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