ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

E-Learning gestern, heute und morgen

Posted on: Juni 21, 2013

Im Rahmen des 12. WISIA-Symposions bin ich eingeladen einige Ideen zu „E-Learning gestern, heute und morgen“ mit den TeilnehmerInnen zu diskutieren.

Für mich persönlich begann kooperatives E-Learning bereits 1986, im Rahmen meines Studiums der Theoretischen Physik war ich mit Forschungsgruppen weltweit mittels Mail und Chat in Kontakt. Niemals dachten wir damals, dass einmal „alle“ auf diese Art kommunizieren würden.

E-Learning gestern

Durch die „Geburt“ des Internets für eine breite Öffentlichkeit 1992 bzw. immer besserer Rechen- und Speicherleistungen der Computer entstanden in den 90-er Jahren erste Formen von E-learning, wie Lern-CDs oder einfache Webseiten mit Lernmaterial, die oft in mühsamer Handarbeit selbst erstellt wurden.  Die Idee zu virtuellen 3D-Welten entstand, 1998/99 bastelten wir an einer virtuellen Universität Graz (einer Vorform von Second Life), mittels Avatar konnten die einzelnen Fakultäten, die Bibliothek und das EDV-Zentrum besucht werden.

Während die Spielindustrie CDs und virtuelle Welten erfolgreich, jedoch auch unter Einsatz großer Kosten, weiterentwickelte, sind Lern-CDs und 3D-Welten im Kontext des Lernens nur mehr selten im Einsatz. Der Bedarf nach regelmäßigen Updates bei den CDs und die …

E-Learning heute

An Hochschulen, Schulen und mittlerweile auch in vielen Firmen halten Lernplattformen einen Siegeszug. Diese virtuellen Lernräume bieten die Werkzeuge BenutzerInnenadministration, Anzeigen von Lernmaterialien, Kommunikation und Kooperationsmedien (Diskussionsforen, Wiki, ..) sowie Tests und Abgaben an. Sie erfüllen den Bedarf nach örtlicher und räumlicher Flexibilität, wir möchten ja immer und überall lernen können!

Lernplattform können zwar für kooperative Lernprozesse verwendet werden, wirken jedoch gegenüber Sozial Media wie etwa Facebook recht altmodisch und verstaubt. Aus diesem Grund findet Lernen mittlerweile auch in Facebook-Gruppen oder Google+ Communities statt und Lehrveranstaltungen oder Experteninterviews nützen den Videochat (etwa mittels Hangout).

Im Lauf der letzten Jahre entwickelten George Siemens und Stephen Downes den konzeptionellen Ansatz des „Connectivism“ für Lernprozesse im virtuellen Raum. Beim Lernen stehe nicht mehr der Inhalt im Vordergrund sondern die Verbindungen zwischen sogenannten „Wissensknoten“ – Menschen, physischen Materialien jedoch Inhalten im Netz. Heutige LernerInnen brauchen die Kompetenz, diese Verbindungen wahrzunehmen, sie zu erhalten und zu pflegen. Lernende müssen sich selbst organisieren, Muster erkennen, Entscheidungen treffen. „It‘ the pipe that matters“ (George Siemens, 2006).

Basierend auf diesem Konzept entwickelten Siemens und Downes die MOOCs (massive open online courses), in der viele tausende LernerInnen gemeinsam lernen können. Als erste Elite-Universität bot die Universität Stanford 2011 ein MOOC zu „Artificial Intelligence“ an, an dem 160.000 Lernende teilnahmen, wobei 20.000 erfolgreich und mit Leistungen äquivalent zu denen der Vor Ort-Studierenden abschlossen. Der Horizont Report 2013, der jährlich Prognosen zu didaktisch-technischen Trends im Bereich der Hochschulausbildung publiziert,  sieht MOOCs als herausragenden Trend für die nächsten 12 Monate.

E-Learning morgen

Seit vielen Jahr(zehnt)en haben sich die für formale Lernprozesse eingesetzten Lernplattformen nicht wirklich weiterentwickelt, was sie wenig attraktiv für viele (junge) Lernende macht. Die Verbindung von Lernplattform-Funktionalitäten und Sozial Media glückte bisher nicht. Im April 2013 lernte ich im Rahmen eines MOOC der Stanford-University, an dem ich teilnahm, einen virtuellen Raum kennen, der mir einen ersten Eindruck eines Lernraums der Zukunft vermittelte. Der virtuelle Lernraum der Firma NovoEd ging im April 2013 online, der von mir und 22.000 weiteren Lernenden besuchte Kurs war anscheinend der erste. Im Lernraum werden Ergebnisse (Abgaben auf Aufgaben) und Diskussionen offen mit allen geteilt, Peer-Evaluation ermöglicht Feedback und „Ilken“, die TeilnehmerInnen werden kontinuierlich verführt, Materialien, Ideen und Meinungen von anderen anzusehen, zu lesen, und zu bewerten. Innerhalb des Lernraums  erwerben sich die Lernenden eine „Online-Reputation“, wie das ja auch im Netz der Fall ist. Darüber hinaus erwies sich die Plattform als stabil und meistens auch schnell, trotz der Nutzung durch 22.000 TeilnehmerInnen.

Die didaktischen Konzepte für offenes Lernen, eventuell auch mit vielen LernerInnen, sind in einem recht experimentellen Stadium, und die Dropout-Quote bei MOOCs liegt bei 90-95%. Um die Qualität der didaktischen Szenerien weiterzuentwickeln braucht es neuer Evaluierungsmethoden.  Die Fooptrints of Emergence könnten ein Mittel sein, das DesignerInnen und Lernende unterstützt, mittels einer kreativen und intuitiven Methode Lernprozesse zu reflektieren und Schritte für die Weiterentwicklung abzuleiten.

Inwieweit MOOCs die Hochschullehre beeinflussen werden, wie sie eventuell an Hochschulen integriert werden könnten, ist noch ganz offen. Doch langsam merken HochschulstrategInnen und LeiterInnen, dass sie sich diesem Thema stellen müssen – gibt es doch schon erste MaturantInnen, die sich fragen, warum sie an eine österreichische Hochschule gehen sollen, wenn sie gemeinsam mit tausenden Lernenden aus allen Teilen der Welt an MOOCS der Stanford University teilnehmen können.

Zu den Folien

Change 11 MOOC: http://change.mooc.ca/

Siemens, Georg (2005). Connectivism: A Learning Theory for the Digital Age. In: International Journal of Instructional Technology and Distance Learning, Vol. 2 No. 1, Jan 2005.

Siemens, George (2006). Knowing Knowledge. ISBN 978-1-4303-0230-8.

Downes, Stephen (2011).MOOC 2011: The Massive Open Online Course in Theory and in Practice. Keynote bei der IV Innovar para Transcendar Simposio de la COMINAIC, Guadalajara, Mexico, 6.9.2011

Blogpost E-Learning platform of the future 

Lernplattform der Zukunft NovoEd/

Williams Roy T. Mackness Jenny & Gumtau Simone (2012). Footprints of Emergence. International Review of Research in Open and Distance Learning, 13(4) S.49-90

Webseite Wie erstellt man einen Footprint?

Class Central – Übersicht über das MOOC-Angebot

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