ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Identität – wie viele sind wir?

Posted on: September 9, 2012

Am 6. September widmeten wir – Erika, Gudrun und ich – uns nochmals dem Thema Identität. Wir erweiterten die Lektüre vom letzten Mal um Karl E. Weick’s „Sensemaking in Organizations“ (1995, Sage Publications: Thousand Oaks) und den Psycho-News-Letter Nr. 92 der DGPT.

Karl Weick wurde in diesem Blog schon des öfteren zitiert, er schrieb

„Sensemaking is grounded in identity construction“ (S 17). ..“more selfs…“ (S 24)

Der DGPT-Newsletter umkreiste die Identität in 13 Seiten Text, basierend auf Theorien und Ansätzen, die mir nur wenig bekannt sind. Nichtsdestotrotz blieb mein Blick an einigen Sätzen hängen (und es erstaunte mich auch, dass zwar unterschiedliche Identitäten, wie etwa Sexuelle Identität, Generativität,… angesprochen wurden, die Online-Identität aber nicht):

„The identity … is only a fictitious one…“ (David Hume, Newsletter S 1)

„Therapieziel Identität“ (Inge Seiffge-Krenke, Newsletter S 2)

„Identität erscheint dezidiert im Plural“ (Benjamin Jörissen, Jörg Zirfas, Newsletter S 6)

Wir diskutierten die Vielfalt unserer Identität(en) und versuchten ein Bild zu skizzieren, mit einzelnen Identitäten bzw. Identitätsnuancen (Gudrun gefällt „eine“ einzige Identität besser, während mich die Vorstellung vieler Identitäten durchaus anspricht). Wir sehen diese Identitäten/Identitätsnuancen jeweils als Kontinuum – so wie mein soziales Geschlecht konstruiert ist und sich im Lauf des Lebens verändert, ist auch meine Identität/Identitätsnuance als Blogschreiberin Zyklen unterworfen und könnte als Kontinuum aufgefasst werden. Gudrun entdeckte dieses Kontinuum bei Wenger (Etienne Wenger “Communities of Practice: Learning, Meaning, and Identity” Cambridge University Press,1998), ich wurde damit in meiner Auseinandersetzung mit Gender konfrontiert – mein Geschlecht als Kontinuum zu begreifen, war eine Herausforderung.

Bild 1 zeigt eine Skizze unserer Annäherung an die Identitäten/Identitätsnuancen.


Doch wie passt die Online-Identität / die Online-Identitäten in dieses Bild? Ist meine Online-Identität auch so ein Kontinuum? Oder hat jede meiner Identitäten / Identitätsnuancen einen Online-Teil? Braucht jede Online-Identität auch einen „f2f-Kern“? Gibt es eine „reine“ Online-Identität? Gibt es eine „reine“ f2f-Identität? Seit mein Vater ein IPad hat, hat auch meine Kind-Identität einen Online-Anteil. Bild 1 zeigte sich als nicht weiter entwickelbar und wir verwarfen es.

Gudrun kam mit der nächsten Skizze (Bild 2), wobei dieser Kreis eigentlich dreidimensional gedacht werden sollte.


In den unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens (Quadranten) leben wir Nuancen unserer Identität. Diese Grafik erzielte eine größere Zustimmung als der erste Versuch.

In der weiteren Diskussion stellte Erika die These zur Diskussion, dass f2f Identitäten „flüchtiger“ seien als Online-Identitäten. Obwohl die Menge an Inhalten im Web rasch anwächst, bleiben unsere Identitätsspuren auffindbar und sind auch noch nach Jahren nachlesbar.  Das erinnert mich an eine meiner Lieblingsfragen: Wo lüge ich leichter, online oder f2f? Auch ich habe den Eindruck, dass eine glaubhafte Online-Identität authentisch ist.

Einen weiteren Aspekt brachte Gudrun ein, nämlich die Wichtigkeit der Achtsamkeit (attention, mindfulness, attentiveness), die wesentlich in Wenger’s Communities of Practice ist, jedoch auch bei Online-Themen auftaucht (etwa Rheingold, Howard (2012). Net Smart: Introduction to fundamental social media literacies, attention, crap detection, participation, collaboration, and network know-how).

Obwohl das Thema „Identität“ leicht die kommenden Jahre des ZML-Leseclubs füllen könnte, werden wir beim nächsten Leseclub zum nächsten Thema wechseln. Vorerst bin ich auf die Blogbeiträge meiner Mitdiskutantinnen neugierig!

=> Link zu Erika’s Identität v.s. Online-Identität

2 Antworten to "Identität – wie viele sind wir?"

Liebe Jutta!
Vor allem der Begriff der Achtsamkeit – bewegt seit der Diskussion meine Gedanken. Was blende ich aus, was lasse ich zu, und warum. Sind es immer die gleichen Faktoren die ich ausblende, wie ein immer wiederkehrender unveränderbarer Filter? Oder ist auch dieser Filter veränderbar, haben wir gar immer einen anderen Filter – abhängig davon in welcher „Identitätsnuance“ wir uns gerade bewegen?

[…] und achtsam zu sein (siehe auch Wenger “Communities of Practice”, wie bereits im ZML-Leseclub […]

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