ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Keynotes und Diskussion beim 4. Didaktik Tag der FH JOANNEUM

Posted on: November 15, 2011

Am 15.11. fand der nunmehr vierte Didaktik Tag statt. Als Kenote Speaker konnten Frau Dr. Marianne Merkt vom Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung, Universität Hamburg und Herr Univ. Prof. Dr. Rudolf Egger vom Institut für Erziehungswissenschaft, Karl Franzens Universität Graz gewonnen werden.

Marianne Merkt’s Vortrag „Das Lehrkompetenz-Modell – Professionalisierung in der Hochschullehre“ basiert auf dem BMBF Projekt ProfiLe – Professionalisierung in der Lehre – Qualitätssteuerung und hochschuldidaktische Kompetenzentwicklung.

Sie begann ihren Vortrag mit den schwierigen und widersprüchlichen Anforderungen an Hochschullehrende wie

  • Massenuniversitäten und Rückgang staatlicher Grund-Refinanzierungen
  • erhöhte Konkurrenz zwischen Lehre und Forschung
  • Studienpfad als Credit-Point-Jagd (Gabi Reinmann, Tobias Jenert, 2011)
  • Dilemmas: Anwesenheit, viel Stoff in wenig Zeit oder aktive Studierende, fördern oder selektieren, Struktur oder Freiraum (Selbststeuerung), Anleiten oder Selbstbestimmung, Problemorientierung versus Systematische Orientierung?

Um mit diesen widersprüchlichen Anforderungen umgehen zu können, müssen Lehrende ihre Handlungen reflektieren, um die Widersprüche situationsangemessen austarieren zu können und sich auf epistemologischer Ebene mit ihrer Lehre auseinandersetzen (d.h. die eigenen Werte und Glaubenssätze bezüglich Lernen, Wissensaneignung hinterfragen).

Akademische Lehrkompetenz  hat nach Merkt folgende Aspekte:

  • Lehr-Lern-Philosophie (persönliche Überzeugungen über Hochschullehre)
  • Handlungsstrategien (pädagogische Modelle und Methodenpool)
  • Kontextwissen (Lehren, Beraten, Prüfen)

Rudolf Egger sah in seinem Vortrag „Hochschuldidaktische Weiterbildung“ die Ziele der Didaktik als Steuerungsinstrument und Anreiz zur Reflexion von Welt- und Selbstreferenz. Studienpläne, die mit Inhalten und Prüfungen überfrachtet sind, plagen die Lehrenden.

Seine Pyramide zu Lernsituationen und ihren Verantwortlichkeiten fußt auf

  • Verbindlichkeit (Lehrende: Ablaufplan, Ziele – Studierende: Lernwille)
  • Sicherheit (Lehrende: Erfahrung, Didaktik – Studierende: Lerntechnik, Sozialform)
  • Motivation (Lehrende: Interesse, „Berufung“ – Studierende: Zeugnisse, Interesse)
  • Stoff

D.h. erst wenn Verbindlichkeit, Sicherheit und Motivation gegeben sind, beschäftigen sich die  Studierenden mit dem Stoff.  Rudolf Egger grenzt sich dabei klar von seinen Studierenden ab:

Ich bin nicht verantwortlich für die Motivation der Studierenden, diese müssen ein Bündel an Motivationen mitbringen.

Im Zentrum des Studiums soll die Studienqualität als Ganzes stehen, d.h. welche Lehrmethoden, Materialien, Ausstattung kommen zum Einsatz, welche Unterstützung erfahren die Studierenden (Administration, Anmeldesysteme, Bibliothek, …), wie werden die Studierenden wahrgenommen (KundInnen, Lernende, Ko-KonstrukteurInnen der  Lernbiographie).

Rudolf Egger, wissenschaftlicher Leiter der Hochschuldidaktischen Weiterbildung der FH JOANNEUM, meinte abschließend:

Die Hochschuldidaktische Weiterbildung systematisiert  und erweitert das, was Sie ohnehin schon machen.

Blitzlichter aus der Podiumsdiskussion

Auf die Frage, wie Lehrende unterschiedliche Lerntypen berücksichtigen können, meinte  Rudolf Egger durch  Visualisierungen, laut Sprechen und den Einsatz von Sozialformen werden viele Lerntypen bereits bedient. Wenn ein Student oder eine Studentin besondere Bedürfnisse hat, muss dies dem oder der Lehrenden mitgeteilt werden.

Zur Frage der Sinnhaftigkeit der Hochschuldidaktischen Weiterbildung zu Beginn der Lehre an der FH JOANNEUM meinten die beiden ExpertInnen übereinstimmend, dass dieser Zeitpunkt gut gewählt sei, einerseits aufgrund der Lehrbiographie, andererseits weil die ersten 3 Jahren an der Hochschule die Lehrmethoden, die in den nächsten 30 Jahren angewendet  werden, stark prägen.

Basierend auf der Erfahrung aus Supervisionen einer Teilnehmerin, dass Lernwiderstand in Gruppen entsteht, wenn man sich untereinander zu gut kennt, wird festgestellt, dass die Anzahl der Lehrenden an der FH  JOANNEUM die Zusammensetzung heterogener Gruppen vo TeilnehmerInnen ermöglicht, die sich genügend „fremd“ sind, um gut miteinander arbeiten zu können.

Zur Frage nach einer besonderen Didaktik für berufsbegleitend Lehrende meinte Frau Merkt, dass es hier gilt, die Ressourcen der Studierenden besonders zu nützen. Rudolf  Egger weist auf das Prinzip der „Muse“ hin und meint, dass Muse mit dem Blickkontakt und dem Empfangen der Studierenden am Freitagnachmittag beginnt (nach der Arbeitswoche und zum Start der Weiterbildung).

Die Sicht auf  die Rolle der Lehrenden als  „Mutter“ oder „Vater“ weist Rudolg Egger zurück – Lehrende und Studierende haben zeitlich begrenzte festgelegte Funktionen.

Bezüglich der Diskussion zum Thema „Evaluation“ beschreibt Marianne Merkt die Beurteilung der Lehrkompetenz an ihrer Hochschule mittels Lehrportfolio, Hospitation von Studierenden in einer Lehrveranstaltung und Lehrgutachten.

Schlagwörter:

2 Antworten to "Keynotes und Diskussion beim 4. Didaktik Tag der FH JOANNEUM"

Danke liebe Jutta für die ausführliche Wiedergabe der Vortrags- und Diskussionsinhalte. Ich will nur einige Eindrücke anfügen, die mir wichtig sind:
Dr. Marianne Merkt hinterließ bei mir – trotz höchster Kompetenz – den Eindruck einer typischen „Universitätsprofessorin“, die systematisch – nüchtern ihren Vortrag- gespickt mit Fremdwörtern- auf die HörerInnen abließ. Dr. Rudolf Egger hingegen wusste mit sehr anschaulichen Beispielen, humorvoll dargebracht, mit einer besseren Sprechperformance das Publikum nachhaltiger zu beeindrucken.
Zum Inhalt:
Dr. Merkt sprach sich im Zuge der Vorstellung von Kompetenztypen und Kompetenzentwicklung dafür aus, dass Lehrende die Balance finden sollten zwischen Fach- und Betreuungskompetenz. Dass es bei der Kompetenzentwicklung immer wieder auf unterschiedlichen Ebenen Chaosphasen gibt, aus der neue Ordnungen und Systeme entstehen, wurde leider unterschlagen.
Dr. Egger sprach auch eine gewisse Resistenz im universitären Bereich gegen das Infragestellen eigener Lehrmethoden und in weiterer Folge gegen hochschuldidaktische Weiterbildung an. Besonders ausprägt sollen diese Widerstände bei männlichen Lehrenden auftreten. Zum Ansprechen unterschiedlicher Lerntypen möchte ich noch hinzufügen, dass lauter Sprechen allein noch nicht der Weisheit letzter Schluss bezüglich des akustischen Kanals ist. Hinzu kommen noch eine entsprechende Akzentuierung und Pausensetzung, eine authentische Sprechweise und Formulierungen (Analogien, Bilder, etc.), die an die Lebenswelt der Studierenden andocken können.

beste Grüße Walter

Lieber Walter,

danke für Deine Ergänzungen!

Jutta

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: