ZML Didaktik / Innovative Learning Scenarios

Artikel getaggt mit ‘Konnektivismus

Basierend auf George Siemens’ Ausführungen zum Konnektivismus (2008) und der Übersetzung von Silke Hinrich von Stephen Downes’ “What is Connectivism? A Quick introduction to the topic of Connectivism” versuchten wir uns der Bedeutung des Konnektivismus dialogisch zu nähern und die Theorie in Bezug zu unserer Arbeit, unseren eigenen Lernprozessen und Erfahrungen zu setzen.

Wir begannen mit der Komplexität der heutigen Welt, Natasa: “Das Web ist zu groß”, Erika: “Das Web ist groß genug”. Wir stellten fest, dass die Größe des Web das eigene Veröffentlichen von Beiträgen erleichtern kann (meine Beiträge sind nicht die einzigen) oder erschweren kann (alles Interessante steht schon irgendwo).

Intensiv diskutierten wir die Verbindung von Knoten / Einheiten / Entitäten (connection of nodes), die etwa in MOOCs explizit und im Netz erfolgen “muss”. Nur wenn wir unsere Gedanken online veröffentlichen, lernen wir – so in etwa habe ich eine Meinung von Stephen Downes abgespeichert. Doch was ist dann mit implizitem Wissen, tacit knowledge, dem Unbewussten in der Theorie des Konnektivismus?

Bezüglich des Web sahen wir “tags” als Hilfe, Teil für die Verbindungen – Tags=nodes.

Konnektivismus ist eng an Lernnetzwerke gebunden und da sieht Siemens  drei Netzwerke, nämlich: neuro-biological, conceptual und external-social. Natasa wies in der Diskussion auf Cognitive Neuroscience hin, auch ein Gebiet, in das man sich vertiefen könnte. Auf einem weniger theoretischen als eher erfahrungsbasiertem Ansatz  waren die drei Netzwerktypen für uns leichter zu verstehen:

  • Lernen heißt Verbindungen im Gehirn zu schaffen. Z.B. in der Pubertät werden viele dieser Verbindungen neu “verdrahtet” (etwa bezüglich Rechtschreibung).
  • Ich lerne die Inhalte leichter, die nahe an meiner Lerngeschichte, meiner Lernkultur angesiedelt sind (etwa naturwissenschaftliche versus geisteswissenschaftliche Sichtweise).
  • Und natürlich ist Lernen sozial! Deshalb enthalten all unsere Lernkonzepte am ZML Aufgaben für Gruppen!

Zurück zu den Verknüpfungen (connections): Natasa verknüpfte das Kommunikationsmodell “Grounding in communications” (siehe ihren Blogbeitrag Connections für Connectivism) mit Downes’ “Zwei Entitäten sind dann verknüpft, wenn ein Signal, das eine Entität aussendet, den Zustand der anderen verändern kann”. Natasa sagte: “es kommt wirklich an” – was in einer langen Diskussion mit Erika mündete, inwiefern die zweite Entität bei der Kommunikation ”verändert”  wird.

Die Entitäten, Knoten, nodes sind nicht nur Menschen sondern können auch Dinge sein. Natasa zitierte eine Arbeit über “Actor Network Theory” am Beispiel einer Laptop-Klasse, in der die Laptops als Akteure angesehen werden.

Zu Natasa’s Blogbeitrag für diesen Leseclub: Connections für Connectivism

Zu Erika’s Blogbeitrag für diesen Leseclub: Konnektivismus

Seit dem Start des Change MOOC im September 2011 setze ich mich vertiefter mit der Theorie des Konnektivismus auseinander. Auf meinem Diigo Account habe ich einige Ressourcen zu diesem Thema gesammelt und bei aktuellen Artikeln bildete der Konnektivismus ein Unterkapitel. Trotzdem bleiben Fragen offen und aus diesem Grund wählten wir den ursprünglich von Georg Siemens vorgeschlagenen Begriff Konnektivismus als Thema unseres Leseclubs.

Konnektivismus und Hirnfoschung

Erika begeistert die Beziehung zwischen Konnektivismus und der Vernetzung neuronaler Strukturen im Gehirn beim Lernen. Natasa und mir ist der Bezug einer “Lerntheorie” (Siemens sieht den Konnektivismus als neue Lerntheorie, offiziell anerkannt ist diese Meinung noch nicht) zur Hirnforschung etwas unheimlich. Allerdings meint Natasa, dass sie das Bild der Vernetzung im Hirn und der Vernetzung im Web anspricht.

Netzwerke von Ressourcen

Natasa nimmt seit der Auseinandersetzung mit dem Konnektivismus zwei Arten von Netzwerken wahr: nämlich Netzwerke von Personen und Netzwerke von Objekten / Ressourcen. Insbesondere im WLL+ Netzwerk (in Google+, Projekt Web Literacy Lab) sprechen sie die Fotos an, die zu den Statements hinzugefügt werden. Unsere Diskussion führt uns dann zu Ellen Langers Ansatz des Mindful Learning. Langer meint, dass gerade Ablenkungen für das Lernen gut sind. Bilder, die in gar keiner Beziehung zum Lernstoff stehen, ermöglichen den Lernenden “von einer anderen Seite aus” zum Thema zurückzukommen und Neues zu entdecken. Auch das Prinzip von “Serendipity” passt dazu: wenn ich durch das Web streife und mich von einer Quelle zur nächsten treiben lassen, kann ich Unerwartetes entdecken.

Abschied von der E-Moderation?

Der letzte Diskussionspunkt bringt uns zu den Erfahrungen unserer beiden Trainingskurse, die auf Facebook und Google+ basierten. Bisher haben wir als E-Moderatorinnen nach Gilly Salmon die Lernprozesse unserer TeilnehmerInnen (max. 15) in einem geschlossenen virtuellen Raum (Lernplattform) anhand der 5 Stufen: Ankommen, Online Sozialisierung, Wissensaustausch, Gemeinsame Wissensgenerierung und Weiterentwicklung moderiert. Nützen wir als Basis für das Training anstelle der Lernplattform ein soziales Netzwerk, ist uns die gewohnte Art der E-Moderation nicht mehr möglich.

Natasa legte in ihrem Training in Facebook eine Gruppe an, und konnte so die Anzahl der Teilnehmenden kontrollieren. Trotzdem überforderte der “Stream” in seinem kontinuierlichen unstrukturierten Fluss die TeilnehmerInnen. In meinem Google+ Training musste ich mich auch von dem Paradigma einer fixen TeilnehmerInnenzahl verabschieden. Um die 60 TeilnehmerInnen identifizierte ich und nahm sie in meinen Google+ Kreis auf, doch manche verschwanden dann wieder andere kamen dazu. 40 meldeten sich “offiziell” für das Training an, 15 nahm ich in eine Kerngruppe auf, deren Aktivitäten ich näher im Auge behielt. Wer aktiv war, fiel mir auf (das waren vor allem Personen, die schon geübt im Umgang mit Google+ waren). Es war schwer wahrzunehmen, wie es den “Neulingen” ging, die wenig bis (fast) gar keine Posts schrieben und nur relativ zögerlich Kommentare.

D.h. die E-Moderatorin moderiert nicht mehr, sondern stellt Ressourcen und Struktur (auf dem WLL Blog) zur Verfügung (ohne überprüfen zu können, wie diese wahrgenommen werden, abgesehen von “likes” oder Kommentaren) und geht mit den aktiveren Lernenden in Kontakt (wieder ”likes” und Kommentaren).Doch ein Gefühl für die Gruppe und ihre Phase nach Gilly Salmon habe ich gar nicht mehr.  - Ob es Stephen Downes mit den MOOC-TeilnehmerInnen auch so ergeht? - Informelle Rückmeldungen meinen, dass die TeilnehmerInnen trotzdem einen Lernprozess durchlaufen haben und zufrieden mit ihrem Lernerfolg sind. 17 Personen haben das Training evaluiert, und ich bin schon neugierig auf die Evaluierungsergebnisse.

Da das diesmalige Thema unseres Leseclubs so ergiebig ist, werden wir in einem Monat den Konnektivismus vertiefen.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.