(Online) Identität im ZML-Leseclub
Posted on: Juli 18, 2012
Unser ZML-Leseclub mit den neuen Mitgliedern Gudrun und Heinz, sowie mit Erika und mir war diese Woche ein spannendes Ereignis. Die “Identität” ist natürlich ein riesiges Thema und wir haben viele Schleifen gezogen, bevor wir uns dem “Online” genähert haben. Insbesondere der geisteswissenschaftliche Hintergrund der neuen Mitglieder hat unsere naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Hintergründe sehr belebt!
Da wir das Thema im September weiterführen werden, möchte ich bis dahin ein bisschen den unterschiedlichen Literaturhinweisen nachgehen und jetzt eher unseren Diskussionsprozess beschreiben.
Unsere Eingangsdiskussion drehte sich recht grundsätzlich um Fragen wie: Wer bin ich, was ist meine Identität, Identitäten, kann ich diese überhaupt wahrnehmen? Auch das Thema Gender und unser sozial-konstruiertes Geschlecht sowie die Veränderung der Wahrnehmung / Auseinandersetzung mit der Identität abhängig vom Alter wurde angesprochen. Heinz mag das Wort “Identität” nicht, was mich sehr beeindruckt hat – und ich erzählte kurz von meiner Online-Identitätskrise…
Basierend auf den Gedanken von Wenger zur Identität in Bezug auf Communities of practice begaben wir uns auf eine kleine Zeitreise:
- Vor 200 Jahren waren die Rollen von “Normal Sterblichen” ziemlich festgeschrieben, sie waren Mitglied / oder eben nicht Mitglied von ein paar Communities, und da veränderte sich im Lauf ihres Lebens auch nicht besonders viel.
- Im letzten Jahrhundert erweiterte sich die Anzahl der Communities, die Menschen wählten ihren Lebensweg individueller, hatten mehr Entscheidungsmöglichkeiten und das wirkte sich auch auf ihre Identität aus.
- Seit ca. 2000 (oder auch später) kommt etwas hinzu: nämlich die Online-Welt mit all ihren Möglichkeiten und Bedrohungen. D.h. das Angebot an unterschiedlichen Communities of practice hat sich immens erweitert.
Unser Fazit (meiner Wahrnehmung nach) war: Gudrun meinte, dass die Identitätsarbeit im Lauf der Zeit wesentlich anstrengender geworden ist, während Heinz etwas von “Identitätsmanagement” murmelte. Ich bin neugierig, wie die heute jungen Kinder bei uns, die bereits ganz früh mit einer großen Durchdringung des Web (iPads, Navi, Handys, …) aufwachsen, ihre Identitäten entwickeln werden.
Bezüglich der 6 Online-Identitäten von Bon Stewart plädieren wir – passierend auf Gudrun’s Vorschlag – für eine Erweiterung um eine 7. Online-Identität: das “passive” Self – angelehnt auch an Wenger’s non-participation.